»Wir wollen Anlaufpunkt sein für kämpferische Antikapitalisten«

Im Jugendverband der Linkspartei hat sich ein neuer linker Flügel namens »Revolutionäre Linke« gebildet. Ein Gespräch mit Katharina Doll

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Am 4. Juli hat sich ein neuer Bundesarbeitskreis im Jugendverband der Linkspartei gegründet. Er nennt sich »Revolutionäre Linke«, RL. Was ist denn sein Ziel?

46 Leute aus sieben Bundesländern haben am Gründungstreffen in Hamburg teilgenommen und sich auf ein Programm geeinigt, das man auf unserer Facebook-Seite lesen kann. Inzwischen haben wir viele neue Mitglieder hinzugewonnen, auch ganze Basisgruppen. Wir wollen Anlaufpunkt sein für Jugendliche, die an einem kämpferischen Antikapitalismus interessiert sind.

Ein Teil der Linksjugend beschäftigt sich leider fast nur mit Parteiinterna, Posten und Anträgen. Wir sind keine Organisationsfetischisten mit Spaß an internen Kämpfen, sondern wollen revolutionäre Praxis auf die Straße und in Strukturen der Arbeiterklasse tragen. Wir sind der Teil der Linksjugend, der unter »Antikapitalismus« versteht,, mit bürgerlichen Regierungen und Projekten wie der EU zu brechen. Unser Ziel ist letztlich die soziale Revolution, also die Enteignung der herrschenden Klasse.

Die Linksjugend ist seit langem von Flügelkämpfen zerrissen. Braucht man diesen neuen linken Zusammenschluss?

Der neue Bundesarbeitskreis drückt einen Strategiewechsel des linken Flügels aus. Wir beschränken uns nicht darauf, uns bei schwankenden Mehrheiten im Wettbewerb um Positionspapiere und Posten abzustrampeln. Klassenkampf funktioniert anders als das Alltagsgeschäft in bürokratischen Parteien. Stark sind wir, wenn wir Solidaritätsarbeit bei Streiks oder Kämpfe gegen Rassismus und Sexismus mit aufbauen. Auf dieser Grundlage werden sich auch Kämpfe im Jugendverband entscheiden.

Auf Facebook zirkuliert ein Foto von einem Mitglied der Linksjugend Niedersachsens, das freiwillig in der israelischen Armee dient. Vor einem israelischen Panzer hält die Person ein Schild hoch mit den Worten: »Nächster Halt: Göttingen«. Haben Unterstützer des Staates Israel Einfluss im linken Jugendverband?

Diese »Antideutschen« haben auf dem letzten Bundeskongress einen großen Block gestellt. So kam eine Mehrheit für den Antrag »Gegen jeden Antisemitismus« zustande. Sie besetzen Posten und ergötzen sich am Bürokratismus. Stark sind antideutsche Szeneidioten da, wo es kaum linke Alternativen gibt. Gelingt es, solche aufzubauen, können sie uns wenig entgegensetzen. Das zeigt auch das Schicksal des Landesarbeitskreises »Shalom« Niedersachsen, der wegen aggressiv militaristischer Positionen gerade ausgeschlossen wurde.

Solche Kräfte bezeichnen sich als »Antideutsche«, obwohl sie offensichtlich auf einer Linie mit Merkel, Gauck und dem Springer-Verlag stehen. Was tun sie in einer linken Partei und ihrem Jugendverband?

In den meisten Fragen haben diese »Antideutschen« bürgerliche Positionen, den Klassenbegriff lehnen sie ab. Dazu vertreten sie einen aggressiven Zionismus und unterstützen imperialistische Armeen und Angriffskriege. Das sind Spaltungsmechanismen, die dem Aufbau von Bewegungen der Arbeiterklasse entgegenwirken. Diese reaktionären Strömungen wollen uns hindern, diejenigen zu bekämpfen, die von der Armut und Unterdrückung der Mehrheit der Weltbevölkerung profitieren – die Chefs von Airbus, Deutsche Bank und Co.

Man liest immer wieder von Briefen frustrierter Aktivisten, die darin ihren Austritt aus der Linksjugend begründen. Haben Leute, die sich als Revolutionäre verstehen, etwas in derselben Partei wie Gregor Gysi und Dietmar Bartsch zu suchen?

Revolutionäre sollten ihre Strategie nicht danach richten, in welcher Partei Dietmar Bartsch ist, sondern woran sich Teile der Arbeiterklasse orientieren, die bereit sind, einen Schritt nach vorne zu machen. Wenn es wenig Druck von unten gibt, sind Leute wie Gysi stark. Der Aufbau wirklich linker Strukturen gelingt nur, wenn wir gesellschaftliche Klassenkämpfe zuspitzen.

Katharina Doll ist Mitglied der Linksjugend Solid in Hamburg und des Bundesarbeitskreises »Revolutionäre Linke«.

http://www.jungewelt.de/m/2015/08-04/037.php

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