Endstation Pflege – Ist das unsere Zukunft?

Blutdruck messen, Bettpfanne leeren, von der Pflegekraft kurz erklärt bekommen, wie man einen Zugang legt, keine Zeit für Nachfragen, der Pflege- kraft hinterher sprinten um nichts zu verpassen. Auf sich allein gestellt in einem Labyrinth aus weiß und Desinfektionsmittel, hier und da mal wieder eine Überstunde. Immer auf Achse. Eine Pause machen und etwas essen? Von wegen – Ausbeutung lässt grüßen! So sieht der Alltag vieler Pflegekräfte aus. Trotz des Stress sollen sie noch liebe Worte mit Patienten wechseln. Wie soll das funktionieren, ohne genug Personal für alle Aufgaben?

Mittlerweile fehlen über 162.000 Pflegekräfte in Deutschland und es wird weiter abgebaut, nur damit Kapitalisten mehr Profit machen können. Es ist Normalzustand, dass Nachtschichten allein ver- bracht werden, wobei eine Pflegekraft für 25 Patienten zuständig ist. Es ist Normalzustand, dass selbst am Tag zu wenig Personal da ist, um alle Aufgaben zu bewältigen.

Dieser Normalzustand ist gefährlich.

Nicht nur für den Patienten, dessen Genesung länger dauert. Nein, auch für die Pflegekraft ist es eine

unzumutbare Gefährdung. Neben Konzentrationsschwierigkeiten und Überlastung kommt die unge- sunde Ernährung, da sie keine Zeit haben in Ruhe etwas zu essen. Sie leiden unter akutem Schlaf- mangel, was zu gravierenden Fehlern im Arbeitsablauf führen kann. Soziale Beziehungen bleiben auf der Strecke, da die Zeit fehlt sich zu treffen oder zu telefonieren, weil man zu Hause müde ins Bett fällt oder den Haushalt erledigen muss. Sie verrichten jeden Tag körperlich anstrengende Arbeit, wie zum Beispiel bettlägrige Patienten waschen oder Betten hin und her schieben. Häufige Folgen sind Rücken- oder Knieschäden, da die Zeit nicht ausreicht sich hinzusetzen. Diesen ständigen Stress kann der Körper irgendwann nicht mehr verkraften, was dann zur Endstation Burnout führt.

Dies ist nicht die Zukunft der Pflegeazubis, sondern Realität. Abgesehen davon, dass sie keine Nacht- schichten machen müssen, werden sie genauso für Überstunden herangezogen und haben langweiligen Berufsschulunterricht, wenn er nicht ausfällt. Sie erfahren zu wenig Praxisanleitung, da den Pflegekräften die Zeit fehlt ihnen alles zu erklären. Zwar gibt es einen Nachfrage-Boom bei der Pflege-Ausbildung, trotzdem werden 20% nicht übernommen. Sie werden miserabel bezahlt und leiden oft am „Cool-Out-Phänomen“, einem Gefühl der Gleichgültigkeit wegen stetiger monotoner Arbeit.

Schluss mit diesem Notstand! Ran an die Profite und Vermögen um ein öffentliches Investitions- programm im Gesundheitswesen zu finanzieren. Wir brauchen eine gesetzliche Personalbe- messung und eine gründliche Praxisanleitung! Für einen guten Lohn und Freude am Beruf!

Diese Forderungen stellte auch der „Walk of Care“ fast aller Pflegeschulen in Berlin am 12.05. 2017. Knapp 400 Pfleger*innen, ob examiniert oder in Ausbildung, trafen sich um gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren und durch einen bunten Aufzug über die Missstände zu informieren.

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