Sichere Schulen erkämpfen

Unserer Meinung nach bietet die völlige Untätigkeit der Regierenden, die Schulen sicher zu machen und ins Bildungssystem zu investieren, Anlass für Widerstand. Wir denken, dass es sinnvoll, ist wenn Basisgruppen dazu jetzt die Initiative für lokale Proteste ergreifen. Diese können vor dem lokalen Schulamt, dem Rathaus oder auf öffentlichen Plätzen stattfinden. Wir denken auch, dass wir Gewerkschaften wie die GEW, Schüler- und Elternvertretungen, Fridays for Future u.a. anfragen sollten, ob sie gemeinsam mit uns so etwas organisieren wollen.

Wir haben für Basisgruppen einen Musterflyer und Forderungen entworfen, diesen findet ihr weiter unten. Wir denken grundsätzlich, dass wir dafür kämpfen sollten, dass die Schulen sicher gemacht werden, bevor sie geöffnet werden. Wir hoffen, dass euch solch ein Musterentwurf dabei hilft. Ihr könnt ihn natürlich gerne in euren Gruppen diskutieren und ggf. kürzen oder anpassen. Auf der Basis der unten genannten Forderungen könnten auch kurze Aufrufe zu Aktionen mit anderen geschrieben werden. Meldet euch gerne beim Sprecher*innenkreis, wenn ihr Anmerkungen und Kritik zum Text habt und auch, wenn ihr Hilfe beim Layout für eure Gruppe braucht.

Sichere Schulen erkämpfen!
Kein Spiel mit unserer Gesundheit

Die zweite Welle der Corona-Pandemie offenbart eines: Regierungs- und Systemversagen. Keine*r der Verantwortlichen schafft es, eine sinnvolle und verständliche Strategie vorzulegen, welche die Gesundheit und sozialen Interessen der Mehrheit der Bevölkerung schützt. Stattdessen herrschen Widersprüche. Soziale Kontakte im Privatleben sind bis aufs Äußerste eingeschränkt. Doch Unternehmen werden weiterhin mit Samthandschuhen angefasst. Beschäftigte, allen voran Pflegekräfte, Lehrer*innen, Erzieher*innen, aber auch Eltern und Schüler*innen werden im Stich gelassen.

Eines ist unter den gegebenen Voraussetzungen und der schlechten Ausstattung der Schulen klar: Bei den aktuellen Infektionszahlen und der Verbreitung der neuen Virusmutationen kann niemand behaupten, dass die Schulen sicher sind. Es gibt Studien und Berichte aus Großbritannien, die eine höhere Ansteckungsrate der Mutation B117 unter jungen Menschen nahelegen. Vor den Schulschließungen im letzten Jahr waren hunderttausende Schüler*innen in Quarantäne. Trotzdem wollten die Kultusminister*innen die Schulen schon im Januar wieder öffnen. Angela Merkel sagt, dass Schulen ganz oben auf der Lockerungsliste stehen.

They don’t care about us!

Die Herrschenden spielen dabei mit unserer Gesundheit! Man muss uns über die psychosozialen Folgen der Schulschließungen, insbesondere für die ärmsten unserer Mitschüler*innen nicht belehren. Viele von uns erleben sie, seien es Lerndefizite, Sprachprobleme, Zunahme häuslicher Gewalt und die noch angespanntere Situation unserer Eltern. Wir wollen auch, dass die Schulen schnellstmöglich wieder öffnen. Aber dafür müssen die Voraussetzungen geschaffen werden!
Den Regierenden aber geht es nicht um unsere Zukunftschancen oder psychosoziale Situation. Was hätten sie nicht alles in den letzten Monaten beschließen und umsetzen können, wenn ihnen das am Herzen gelegen hätte?
Haben sie die Prüfungspflicht für die Abschlussklassen und das Schulsystem in Frage gestellt, welches auf Notenbasis gnadenlos diejenigen aussiebt, die ihre individuellen Stärken darin nicht zur Geltung bringen können? Haben sie massenhaft Investitionen aufgelegt, um kurzfristig alternative Betreuungskonzepte zu finanzieren bzw. neue Lehrkräfte mittelfristig auszubilden? Haben sie allen bedürftigen Schüler*innen digitale Endgeräte und Internetzugänge zu Verfügung gestellt und Schulen mit der nötigen Infrastruktur ausgestattet?
Nein, wenn so etwas umgesetzt wurde, dann nur durch die Arbeit oder auf Druck von örtlichen Schulleitungen, Lehrkräften, Eltern und Schüler*innen.
Wir sollen jetzt vor allem aus einem Grund zurück auf die Schulbank. Damit unsere Eltern wieder ungestört zur Arbeit gehen können und die Profite der Banken und Konzerne nicht weiter gefährdet werden. Die herrschenden Politiker*innen handeln letztlich im Interesse dieser Wirtschaftsbosse. Sie wollen das Bildungs- und Prüfungssystem nicht in Frage stellen, welches für die profitgetriebene Wirtschaft junge Arbeitskräfte sortiert und verwertet.

Schulöffnungen unter sicheren Bedingungen!

Diese Bildungssystem war schon vor Corona chronisch unterfinanziert. Die Pandemie hat das deutlich offengelegt und noch verschärft. Wenn sie uns jetzt zurückschicken wollen, unter welchen Bedingungen erwarten sie das von uns? Was wurde in den letzten Monaten und über den Winter getan? Gibt es Luftfilter in allen Klassenräumen? Werden medizinische Masken an den Schulen kostenlos abgegeben? Gibt es flächendeckende Schnelltests an allen Schulen? Gibt es genug Räume und Personal, um halbierte Klassen zu organisieren? Werden genügend Schulbusse und öffentliche Verkehrsmittel zu Verfügung gestellt? Nein. Der Staat hat Milliarden für die Lufthansa, Tui und andere kapitalistische Unternehmen, aber nicht für uns.

Wir müssen protestieren!

Wir wollen das nicht hinnehmen. Doch für Veränderungen müssen wir kämpfen – am besten zusammen mit Gewerkschaften, Lehrkräften und Eltern. Wir glauben, dass Proteste (mit Hygienekonzepten) der richtige Weg sind, um Druck aufzubauen.
Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass die Schulen sicher und risikominimiert öffnen können. Wir wollen, dass unter diesen Bedingungen demokratisch durch Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen entschieden wird, ob Schulen öffnen können bzw. wieder schließen müssen. Doch wir wollen auch grundsätzliche Veränderungen. Wir wollen, dass niemand Angst vor Prüfungen haben muss, die seinen weiteren Lebensweg festlegen. Wir wollen massive Investitionen ins Bildungssystem – finanziert durch das Vermögen der Reichen und die Gewinne der Banken und Konzerne.

Organisiert euch!

Das können wir erkämpfen, wenn wir uns organisieren. Mach mit und komm zu unserer Veranstaltung! Als linksjugend [’solid] kämpfen wir für jede Verbesserung in der aktuellen Situation. Doch wir glauben auch, dass dem Systemversagen ein Ende bereitet werden muss. Deshalb kämpfen wir für eine andere, sozialistische Gesellschaft – in der die großen Banken und Konzerne in öffentlicher Hand sind und die Wirtschaft demokratisch durch die arbeitende Bevölkerung geplant wird.

Wir fordern:

➡Luftfilterungsanlagen für alle Klassenzimmer! Kostenlose Masken für Schüler*innen und Personal! Regelmäßige Massentests an allen Schulen!
➡Massive Investitionen zwecks Einstellung und Ausbildung von pädagogischem Lehrpersonal und Sanierung maroder Schulgebäude!
➡Flächendeckende Bereitstellung von Laptops und Bereitstellung eines Internetzugangs für alle Schüler*innen, die es brauchen!
➡Entscheidung über Schließung bzw. Öffnung von Schulen durch demokratisch gewählte Vertreter*innen von Schülerschaft, Elternschaft und Lehrpersonal!
➡Niemand darf wegen der Pandemie sitzen bleiben! Prüfungen nur auf freiwilliger Basis!
➡Freier Zugang zu Bildung! Lernmittelfreiheit und Abschaffung aller Gebühren in Kitas, Unis und Volkshochschulen!
➡Finanzierung der Maßnahmen durch eine einmalige Corona-Abgabe von 30 Prozent auf Vermögen ab einer Million Euro, sowie drastisch höhere Besteuerung von Unternehmen und Super-Reichen!

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